Detektei B&B – Fesselnde Verstrickungen

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Das schrille Klingeln aus Richtung der Haustür riss Max und Katharina aus dem Schlaf. Max war gestern Abend erst spät nach einer zweiwöchigen Dienstreise aus Italien zurückgekommen. Katharina wollte alles genau wissen, da sie selbst nicht mitfahren konnte. Das kam mittlerweile sehr selten vor, eigentlich waren die beiden immer zusammen. Aber Katharina hatte zwei Lesungen ihres neuesten Krimis, und musste dazu eine Menge vorbereiten. Als sie Max nach vierzehn endlosen Tagen wiedersah, musste das natürlich ausgiebig gefeiert werden.  Und so waren die beiden erst weit nach drei Uhr morgens ins Bett gekommen.
„Wieviel Uhr haben wir denn?“, knurrte Katharina verschlafen.
„Kurz nach sieben“, antwortete Max.
„Unverschämt“, meinte Katharina, drehte sich um, und zog die Decke über den Kopf.
Es klingelte immer weiter. Max stand auf, nahm seinen Bademantel, und ging die Treppe hinunter zur Tür. Nur drei Wochen, nachdem sich Max und Katharina kennen gelernt hatten, hatten sie sich dieses Zweifamilienhaus am Stadtrand angesehen. Es hatte ihnen auf Anhieb gefallen, und nur vier Wochen später zogen sie dorthin um. In der unteren Etage hatten sie ihre Büros eingerichtet, die obere nutzten sie zum Wohnen.
Max öffnete die Tür.
„Guten Morgen Max“, sagte der Mann an der Tür energisch, und stürmte an Max vorbei in Richtung Büro. „Ich brauche deine Hilfe…dringend!“.
„Guten Morgen Philipp“, sagte Max, schloss die Tür und folgte ihm.
Philipp Altenkirch hatte zur selben Zeit wie Max an derselben Universität studiert. Sie wohnten zusammen in einer WG, und waren seit dieser Zeit Freunde. Philipp Altenkirch hatte Jura studiert, und war mittlerweile ein sehr gefragter Anwalt in der Stadt. Max übernahm, wenn es die Zeit erlaubte, Recherche-Arbeiten für Philipp.
„Philipp, hätte es nicht noch ein paar Stunden warten können?“, fragte Max. „Ich bin erst heute Nacht aus Mailand zurückgekommen“.
Die beiden waren mittlerweile im Büro angekommen, und hatten sich gesetzt.
„Tut mir leid, Max“, sagte Altenkirch, „die Sache drängt!“.
„Also gut, also gut“, gab Max zurück, „wie kann ich dir helfen?“.
In diesem Moment kam Katharina ins Büro. Barfuß, mit Morgenmantel, und ziemlich zerzausten Haaren.
„Morgen Philipp“, sagte sie gähnend, „was willst du denn hier, mitten in der Nacht?“.
„Guten Morgen Katharina“, antwortete Altenkirch, „ich habe einen Auftrag für euch“.
„Und da kommst du zu dieser Uhrzeit?“, fragte Katharina leicht gereizt. „Ich mache erstmal einen Kaffee“.
Ohne einen Kommentar abzuwarten ging sie in die Küche, die neben dem Büro und dem Besprechungsraum lag.
„Katharina ist kein Morgenmensch, oder?“, fragte Altenkirch Max.
„Wie gesagt, wir habe gerade mal vier Stunden geschlafen“, antwortete Max.
„Wie dem auch sei“, sagte Altenkirch, „die Sache ist wichtig“.
Kurz darauf kam Katharina mit einem Tablett und drei Tassen Kaffee zurück. Sie stellte den beiden eine Tasse auf den Schreibtisch, behielt ihre in der Hand, und lehnte sich an den Schreibtisch, Altenkirch zugewandt.
„Es geht um die Tochter eines guten Freundes“, begann Altenkirch. „Jessica Ming. Sie hat seit einiger Zeit das Gefühl, dass sie verfolgt wird. Es gab eine Reihe von komischen Zwischenfällen, die ebenfalls in diese Richtung deuten“.
„Warum geht sie dann nicht zur Polizei?“, fragte Max dazwischen.
„Da war sie schon, aber die halten sie für hysterisch“, antwortete Altenkirch. „Aber es geht weiter. Das ganze zieht sich seit etwa sechs Wochen. In dieser Zeit wurde sie mehr und mehr zum Nervenbündel. Gestern Abend hat sie auf dem Nachhauseweg einen Mann angegriffen, den sie für ihren Verfolger hielt. Sie schlug auf ihn ein, war nicht mehr zu beruhigen“.
„Was passierte dann?“, fragte Katharina.
„Polizei und Krankenwagen kamen“, antwortete Altenkirch. „Auch die konnten sie nicht beruhigen. Man hat sie in die geschlossene Psychiatrie geschafft, und es wurden heute Nacht noch Zwangsmaßnahmen vom Staatsanwalt genehmigt“.
„Und das bedeutet was?“, fragte Max.
„Fixierung am Bett, Windeln, Zwangsjacke, Gummizelle, und so weiter“, antwortete Altenkirch.
Katharina und Max sahen sich an. Zwangsfixierung und Windeln, das war genau der richtige Fall für sie.
„Und wir sollen jetzt den Beweis erbringen“, sagte Katharina, „dass sie sich das nicht eingebildet hat?“.
„So ist es“, sagte Altenkirch. „Jede Stunde in dieser hilflosen Lage wird für sie bestimmt unerträglich sein“.
Katharina und Max sahen sich zwinkernd an. Für sie wäre es bestimmt nicht unerträglich, im Gegenteil, für sie wäre es Wellness. Zumindest, wenn sie sich untereinander so behandeln würden. In einer Klinik wäre es wahrscheinlich aber auch etwas anderes.
„Also gut, Philipp“, sagte Max. „Wir werden den Mann besuchen, und recherchieren, ob er Frau Ming wirklich verfolgt hat“.
„Das ist gut“, sagte Altenkirch, „das Problem ist nur, dass der Mann verschwunden ist“.
„Wie verschwunden?“, fragte Katharina. „Ich denke sie hat auf ihn eingeschlagen? Hat er sie nicht angezeigt?“.
„Nein“, antwortete Altenkirch. „In dem Tumult bei der Festnahme ist er abgehauen“.
„Was die Annahme von Frau Ming sofort etwas glaubhafter macht“, sagte Katharina.
„Wäre sie nicht so ausgerastet“, sagte Altenkirch, „wäre die Sache wohl ganz anders ausgegangen. Aber alle waren damit beschäftigt, sie zu bändigen. Dabei hat ihr Vater mir erzählt, dass sie sonst keiner Fliege etwas zu leide tun kann“.
„Das hört sich jetzt doch nach einem interessanten Fall an“, sagte Max. „Kannst du uns sagen, wo sie wohnt, und wo sie arbeitet?“.
„Ja, klar“, sagte Altenkirch. „Sie wohnt in der Eschenallee 13, und arbeitet bei der König Maschinenbau GmbH im Industriegebiet. Sie ist dort im Management tätig“.
Max notierte sich die Angaben.
„Und hier habe ich eine Vollmacht von ihrem Vater“, sagte Altenkirch. „Durch die Zwangseinweisung ist er im Moment ihr Vormund. Außerdem kenne ich den Chefarzt in der Klinik. Er wird euch zu ihr lassen, wenn ihr sie befragen wollt. Fragt nach Professor Tönnies“.
„Ja, wir werden sie auf jeden Fall befragen, und sehen wie es ihr geht“, sagte Katharina.
Philipp Altenkirch stand auf, und streckte Katharina die Hand entgegen.
„Ich drücke euch die Daumen, dass ihr sie so schnell wie möglich aus dieser misslichen Lage heraus holt“, sagte Altenkirch, schüttelte beiden die Hand, und verabschiedete sich.
Max begleitete ihn zur Tür, und kam dann wieder ins Büro zurück.
„Was hältst du von der Sache?“, fragte Max.
„Wenn man mich verprügeln würde, würde ich Anzeige erstatten“, antwortete Katharina, „und mich nicht aus dem Staub machen. Spricht für Frau Ming, und das die Geschichte wahr ist“.
„Genau, ich finde auch, dass das der Knackpunkt ist“, meinte Max.
„Nun brauche ich aber erstmal einen Boxenstopp“, sagte Katharina.
Sie ging zu Max, packte ihn in den Bademantel, und fühlte seine Windel.
„Und du brauchst auch einen“, fügte sie hinzu.
„Gerne“, gab Max zurück, „und dann gibt’s Frühstück“.
„Und dann besuchen wir mal die arme, gefesselte und gewindelte Frau in der Klinik“, erwiderte Katharina.
Nachdem sie geduscht hatten, gab es erstmal einen intensiven aber schnellen Windelwechsel. Ordentlich sauber machen, eincremen und pudern musste einfach sein. Sie legten sich gegenseitig eine dünnere Tagwindel an. Das Frühstück fiel dann eher kurz aus, da sie schnell zu Frau Ming wollten.
Die Klinik lag etwas außerhalb der Stadt, die Autofahrt dorthin dauerte fast eine halbe Stunde. Am Empfang wurde ihnen mitgeteilt, dass es nicht möglich wäre, eine Patientin aus der geschlossenen Abteilung zu besuchen. Erst als Max darum bat,  mit Professor Tönnies zu sprechen, kam Bewegung in die Sache. Der Professor kam an den Empfang, die drei redeten kurz, dann führte er sie in die geschlossene Abteilung. Sie mussten durch mehrere Sicherheitsschleusen, um dorthin zu kommen. Die Abteilung lag im Kellergeschoss.
„Hier sind unsere Gummizellen“, sagte Tönnies, als sie durch den Flur der geschlossenen Abteilung gingen. „Immer wieder gern zitiert in Film und Fernsehen“.
Sie konnten einen Blick in eine Zelle werfen, in der ein Mann in Zwangsjacke und Windel auf dem Boden saß.
„Die sind aber nur für wirklich schwere Fälle“, sagte Tönnies. „Hier vorne sind dann die normalen Zimmer“.
Er führte sie in ein Zimmer, in dem eine Schwester einer Frau, die am Bett fixiert war, die Windel wechselte. Die Frau sah sie mit hochrotem Kopf an.
„Oh, wir müssen kurz draußen warten“, sagte Tönnies, und führte die Beiden wieder auf den Flur.
„Frau Ming war gestern, als sie hier ankam kaum zu bändigen“, sagte er. „Als ob sie unter Drogen stehen würde. Sie war vollkommen hysterisch, und schlug um sich. Selbst nach zwei Beruhigungsspritzen wurde es kaum besser. Daher haben wir Zwangsmaßnahmen anordnen müssen“.
„Haben sie ihr Blut nach Drogen untersucht?“, fragte Max.
„Die Ergebnisse müssten mittlerweile da sein“, antwortete der Professor. „Ich schlage vor, sie reden mit Frau Ming, und ich hole die Ergebnisse“.
„Einverstanden“, sagte Katharina.
Kurz darauf kam die Krankenschwester aus dem Zimmer. Der Professor gab ihr kurze Anweisungen, dann wurden Katharina und Max ins Zimmer gelassen.
„Bitte regen sie sie aber nicht auf“, sagte Tönnies. „Ich bin gleich zurück“.
Der Raum war ein typisches Krankenzimmer, und der Geruch drinnen ließ keinen Zweifel daran, aus welchem Grund Frau Ming die Windeln gewechselt wurden. Frau Ming sah sie mit rotem Kopf an.
„Es ist mir so peinlich, was sie gesehen haben, und was sie riechen“, sagte sie, und Tränen kamen ihr in die Augen.
Katharina trat ans Bett, und streichelte ihr den Arm.
„Ihnen muss nichts peinlich sein, Frau Ming“, sagte sie mit sanfter Stimme. „Ich heiße Katharina Bauer, das ist Max Bader. Wir sind Privatdetektive, und wurden von ihrem Vater beauftragt, ihnen zu helfen“.
Frau Ming war mit einem Segufix am Bett fixiert. Die Gurte waren um Knöchel, Oberschenkel, Bauch, Schultern und Hände geschlungen. Frau Ming trug eine Strumpfhose und ein T-Shirt. Die Strumpfhose war zwischen den Beinen deutlich ausgebeult. Es handelte sich wohl um eine besonders dicke Windel.
„Ich kann mir nicht erklären, was gestern passiert ist“, sagte sie schluchzend. „Ich stand völlig neben mir, hatte keine Kontrolle mehr über mich. Mein Kopf wollte sich beruhigen, aber meine Arme und Beine machten sich selbstständig“.
„Wann haben sie den Mann bemerkt?“, fragte Max.
„Schon als ich aus dem Büro bin“, sagte Frau Ming. „Er hat sich ja nie Mühe gegeben, sich zu verstecken. Er lief mit hinterher, wie mittlerweile fast täglich“.
„Haben sie ihn mal darauf angesprochen, warum er sie verfolgt?“, fragte Katharina.
„Mehrmals“, gab Frau Ming zurück. „Er hat mich dann nur angegrinst, hat kein Wort gesagt. Ich habe ihm immer wieder gesagt, er solle mich in Ruhe lassen. Aber es hat ihn einfach nicht gestört“.
„Was war gestern anders, als sonst“, fragte Max.
„Eigentlich nichts“, sagte Frau Ming, und überlegte kurz. „Er berührte mich am Unterarm, und kurz drauf brachen bei mir alle Dämme“.
Sie fing an zu weinen, Katharina nahm ein Taschentuch, und tupfte ihr die Tränen ab.
„Hat er sie hier berührt?“, fragte Max, und berührte vorsichtig eine Stelle an ihrem Unterarm.
Sie zuckte zusammen.
„Ja, genau da“, sagte Frau Ming überrascht. „Woher wissen sie das?“.
„Sie haben dort eine rote Stelle“, sagte Max. „Ich in kein Arzt, aber das sieht aus wie eine allergische Reaktion. Ich bekomme so etwas auch, wenn ich mit Blättern eines Haselnussbaums in Berührung komme“.
Katharina ging zu Max, und sah sich die Stelle an.
„Du könntest recht haben“, sagte sie.
Beide begutachteten die Stelle am Unterarm.
„Wie hat der Mann sie berührt?“, fragte Katharina. „Mit der Hand?“.
„Ja, mit der Hand“, antwortete Frau Ming. „Aber warten sie“, sie überlegte kurz. „Er hatte einen Gummi-Handschuh an. So etwas, wie man zum Putzen nimmt“.
„An beiden Händen?“, fragte Max.
Sie überlegte erneut.
„Nein“, sagte sie dann, „jetzt wo sie es sagen: er hatte nur an der Hand, mit der er mich berührte, diesen Handschuh an“.
„Und was passierte dann?“, fragte Katharina. „Fühlten sie sich anders?“.
Sie überlegte wieder. Man merkte, dass sie mit Medikamenten vollgepumpt war. Das Denken fiel ihr schwer.
„Ja“, antwortete sie, „ mir wurde kurz schummrig, als ob mein Kreislauf verrücktspielt. Mein Puls ging hoch, und ich fing an, den Mann zu schlagen“.
Wieder kamen ihr die Tränen, die Katharina wieder abputzte.
„Wie fing den überhaupt alles an?“, fragte Max, nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte.
„Ich habe den Mann am 26. Juni das erste Mal gesehen“, begann Frau Ming, „da stand er vor dem Bürogebäude, indem ich arbeite. Ich sah ihn von meinem Bürofenster aus. Er fiel mir auf, weil er nicht so in die Gegend passte. In unserer Firma gibt es einen Dresscode. Die Herren mit Anzug, die Damen mit Rock und Bluse oder Kleid. Er trug zerrissene Jeans, eine Lederjacke und ein T-Shirt. Als ich das Haus verließ, stand er immer noch da. Und dann folgte er mir: zu Fuß zum Bus, dann stieg er an derselben Station aus, und folgte mir bis zu dem Haus, in dem ich wohne. Und das wiederholte sich seitdem unregelmäßig. Mal tauchte er zwei Tage nicht auf, dann war er wieder drei Tage hintereinander da“.
„Und die Polizei hat nichts unternommen?“, fragte Katharina.
„Die waren mehrfach da“, antwortete Frau Ming. „Aber immer dann, tauchte er nicht auf. Daraufhin hielten die mich doch für hysterisch“.
„Kam die Polizei zu ihnen ins Büro, oder auch nach Hause?“, fragte Max.
„Die kamen immer nur ins Büro“, antwortete Frau Ming.
„Sie können sich so genau an den Tag erinnern“, fragte Katharina. „Warum? Ich meine das liegt fast sechs Wochen zurück“.
„Am 24. Juni wurde in einer Vorstandssitzung bekannt gegeben, dass ich ab dem 1. September zur stellvertretenden Geschäftsführerin befördert werde“, antwortete sie voller Stolz. „Das war natürlich etwas Besonderes“. Erneut brachen ihr die Tränen aus. „Aber wenn das hier bekannt wird, kann ich mir den Job abschminken“, schluchzte sie.
Katharina musste wieder die Tränen abputzen.
„Waren sie die einzige Kandidatin für den Posten?“, fragte Max.
„Nein“, sagte Frau Ming, „es gab zwei Kandidaten. Stefan Meier und mich“.
„Hatten sie mit der Entscheidung gerechnet?“, fragte Katharina.
„Ehrlich gesagt nein“, antwortete Frau Ming. „Ich leiste zwar die bessere Arbeit, aber Herr Meier ist schon wesentlich länger im Unternehmen, und galt schon als ich anfing, als der zukünftige Geschäftsführer“.
„Wie hat er reagiert, als er von der Entscheidung erfahren hat?“, fragte Max.
„Er war außer sich, verließ schimpfend die Sitzung, und warf die Tür hinter sich zu“, antwortete Frau Ming.
Katharina und Max sahen sich an.
„Wurden sie eigentlich nur verfolgt, oder auch anders belästigt?“, fragte Katharina.
„Naja, an der Arbeit war mein Schreibtisch oft umgeräumt“, antwortete Frau Ming. „Ich fand Dinge an anderen Orten wieder. Stifte, Blöcke, Akten, Memos. Ich zweifelte an mir, schrieb es dem Stress zu. Und zuhause bekam ich rund um die Uhr Anrufe mit unterdrückter Nummer, bei denen sich niemand meldete“.
„Stalking“, kommentierte Max.
„Entschuldigen sie“, sagte Frau Ming, „könnten sie bitte die Schwester rufen? Ich glaube, ich muss mal auf Toilette“.
Max ging auf den Flur, sah eine Schwester, und rief sie ins Zimmer.
„Ich muss mal auf Toilette“, sagte Frau Ming.
„Tut mir leid“, sagte die Schwester, „ich habe jetzt keine Zeit. Außerdem, warum glauben sie, haben sie die Windeln um? Benutzen sie sie. Ich lege sie dann später trocken!“.
Damit verließ sie das Zimmer.
„Aber, aber…“, stotterte Frau Ming, „ich kann doch nicht…“.
Und wieder kamen ihr die Tränen.
„Bitte, bitte“, sagte sie flehend, „holen sie mich hier raus“.
„Wir tun unser Bestes“, sagte Katharina, und streichelte ihre Schulter.
In diesem Moment kam Professor Tönnies ins Zimmer. Er hatte eine Akte in der Hand.
„Wir haben im Blut von Frau Ming ein hochdosiertes Aufputschmittel gefunden, das in der Konzentration zu Halluzinationen führt“, sagte der Professor.
„Und ich kann ihnen auch sagen, wie es ihr verabreicht wurde“, sagte Max, und zeigte dem Professor die Stelle am Unterarm.
„Sehr interessant“, sagte der Professor. „Wir werden die Stelle gleich gründlich untersuchen“.
„Dann können sie Frau Ming doch losbinden, oder?“, fragte Katharina.
„Nein, tut mir leid“, sagte der Professor. „Zum einen hat die Erfahrung gezeigt, dass es für alle Beteiligten besser ist, diese Behandlung mindestens drei Tage durchzuführen. Zum anderen wissen wir ja nicht, ob sie das Mittel nicht selber zu sich genommen hat“.
„Ich habe das Zeug nicht zu mir genommen“, beteuerte Frau Ming.
„Tut mir leid“, sagte der Professor, „da lasse ich nicht mit mir handeln“.
Der Professor verließ den Raum.
„Bitte, bitte“, sagte Frau Ming flehend, „holen sie mich hier raus“.
„Wir tun unser Bestes“, sagte Katharina erneut. „Entspannen sie sich, es wird alles gut“.
„Hoffentlich“, sagte Frau Ming nun weinend.
Katharina gelang es kaum mehr, Frau Ming zu beruhigen. Eine Schwester gab ihr ein Beruhigungsmittel, und als sie eingeschlafen war, verließen Katharina und Max die Klinik.
Gegen Mittag waren die beiden wieder in ihrem Büro. Nach einem schnellen Windelwechsel, bereiteten sie ihr Mittagessen vor. Währenddessen unterhielten sie sich über den Fall.
„Vielleicht täuscht mich mein Gefühl“, sagte Max, „aber ich glaube, Frau Ming ist nicht verrückt. Sie ist mit den Nerven fertig, gut. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Das der Angegriffene geflohen ist, und die Sache mit dem Aufputschmittel deuten für mich eindeutig daraufhin, dass man sie bewusst fertig gemacht hat. Die große Frage ist nur: wie beweisen wir das“.
„Wir müssen den Kerl finden, der sie verfolgt hat, und den sie angegriffen hat“, sagte Katharina. „Der Mann hat das ja bestimmt nicht von sich aus gemacht, er hatte bestimmt einen Auftraggeber. Und für mich deutet im Moment alles auf eine Person“.
„Diesen Meier!“, gab Max zurück.
„Genau“, sagte Katharina. „Er will den Posten des stellvertretenden Geschäftsführers, und muss Frau Ming in ein schlechtes Licht rücken“.
„Im Moment weiß niemand außer uns“, merkte Max an, „dass Frau Ming in der Klinik ist“.
„Wir wissen es“, sagte Katharina, „und der Angegriffene. Der hat ja alles mitbekommen“.
„Genau“, sagte Max. „Und wenn Meier es auch weiß, dann von ihm. Und dann haben wir die Verbindung. Und, er wird jede Chance nutzen, das allen mitzuteilen“.
„Meier ist vermutlich der Stellvertreter von Frau Ming“, meinte Katharina nachdenklich. „Ich habe da eine Idee“.
Katharina nahm das Telefon, das auf dem Tisch lag, und tippte eine Nummer ein.
„Ja guten Tag, mein Name ist Bauer“, sagte sie, als sich am anderen Ende jemand meldete. „Ich arbeite für die Abendzeitung, und würde gerne ein Interview mit Frau Ming machen. Frau Jessica Ming … die ist krank? Das ist schade. Gibt es einen Stellvertreter? … Herr Meier? Könnte ich den denn mal sprechen? … Ja, danke“.
Es dauerte einen Moment. Katharina stellte auf Lautsprecher.
„Meier!“, klang eine herrische Stimme aus dem Telefon.
„Guten Tag Herr Meier“, sagte Katharina mit freundlicher Stimme. „Ich bin Reporterin, und arbeite für die Abendzeitung. Ich wollte eigentlich ein Interview mit Frau Ming führen. Aber ich habe gehört, dass sie krank ist?“.
„Krank?“, fragte Meier triumphierend. „Verrückt trifft es besser. Die wurde am Samstag unter Zwangsmaßnahmen in die geschlossene Psychiatrie geschafft. Liegt jetzt wahrscheinlich mit ‘ner Zwangsjacke und einer vollen Windel in einer Gummizelle. Glaube nicht, dass die noch mal zu uns kommt“.
„Sollte Frau Ming nicht den Posten der stellvertretenden Geschäftsführerin übernehmen?“, fragte Katharina.
„Das kann sie sich jetzt abschminken“, sagte Meier amüsiert. „Ich gehe davon aus, dass ich in der nächsten Vorstandssitzung für diesen Posten benannt werde“.
„Na dann herzlichen Glückwunsch“, sagte Katharina. „Hätten sie Zeit für ein Interview?“.
„Diese Woche nicht mehr“, sagte Meier barsch. „Lassen sie mich schauen… wie wäre es am nächsten Dienstag um zehn Uhr?“.
„Gut einverstanden“, bestätigte Katharina. „Ich freue mich. Auf Wiedersehen“.
„Auf Wiedersehen“, gab Meier zurück, und legte auf.
„Mit Zwangsmaßnahmen in die geschlossene Psychiatrie geschafft“, sagte Katharina zu Max gewandt.
„Da haben wir unseren Zusammenhang“, sagte Max. „Jetzt müssen wir nur noch Beweise finden. Und das dürfte nicht so einfach werden“.
„Wir können diesen Meier ja mal beschatten“, sagte Katharina.
„Meinst du er trifft sich mit diesem Mann?“, fragte Max. „Da hätten wir aber eine ganze Menge Glück nötig“.
„Manchmal muss man auch Glück haben“, konterte Katharina. „Wie Meier aussieht, weiß ich. Auf der Homepage der Firma König habe ich ein Foto von ihm gefunden“.
„Na gut“, sagte Max. „Probieren können wir es ja mal“.
Die beiden aßen Mittag, und machten sich gegen vier Uhr auf den Weg zur Firma König. Vorher hatten sie sich noch mit dicken Nachtwindeln gewickelt, da sie nicht wussten, wie lange Herr Meier auf sich warten ließ.
Die dicke Verpackung hatte sich bewährt, denn Herr Meier kam erst gegen sechs Uhr aus dem Bürogebäude der Firma König. Eines konnten die beiden bis dahin aber schon feststellen: Frau Ming hatte mit der Aussage, dass hier Leute ohne Anzug oder Kleid auffallen, vollkommen recht.
Meier ging auf den Parkplatz. Sein Auto, eine Mercedes S-Klasse, stand auf einen Parkplatz, der mit der Aufschrift: Geschäftsleitung gekennzeichnet war. Katharina und Max folgten Meier.
„Ich denke, er wohnt in der Luisenstraße?“, fragte Max. „Die liegt aber genau in die entgegen gesetzte Richtung“.
„So wie es aussieht, will er die Stadt Richtung Norden verlassen“, fügte Katharina hinzu.
Nach einer halben Stunde hatten sie die Stadtgrenze erreicht. Meier fuhr immer weiter. Nach weiteren zwanzig Minuten erreichten sie ein abgelegenes Haus. Meier fuhr auf das Grundstück, und blieb stehen. Max fuhr weiter, bis er hinter einer Baumreihe außer Sichtweite war. Katharina und Max schlichen sich in der Deckung der Bäume so dicht wie möglich an das Grundstück heran. Sie sahen, wie Meier klingelte, und kurz darauf ein Mann in der Türe erschien, der Meier einließ. Der Mann hatte ein Pflaster auf der Stirn, die Lippe war geschwollen, und ein Auge war blau. Als wäre er vor kurzem verprügelt worden.
„Privatdetektiv Franz Uhlig“, flüsterte Katharina, die die Adresse in ihrem Smartphone eingegeben hatte.
„Ah, ein Kollege“, sagte Max. „Hat er eine Homepage?“
„Ja“, antwortete Katharina. „Slogan: wir lösen alle Probleme für sie. Oh, und hier ist interessanter Foreneintrag. Demnach hat sich dieser Uhlig an eine Frau heran gemacht, damit ihr Mann einen Grund für die Scheidung bekam. Ohne Unterhalt bezahlen zu müssen“.
„Manche Leute sind echt skrupellos“, meinte Max. „Da steht ein Fenster offen. Bleib du hier und beobachte die Tür. Ich gehe mal näher ran, und versuche, was zu hören. Wenn sich was tut, gib mir ein Zeichen“.
„In Ordnung“, sagte Katharina.
Max schlich sich an das Haus und das offene Fenster heran. Und wieder hatte er Glück. Er konnte Meier und diesen Uhlig hören.
„Herr Uhlig“, sagte Meier, „sie sind wirklich gut. Ich wollte mich persönlich bei ihnen bedanken. Ich werde sie weiter empfehlen. Das Thema Jessica Ming als stellvertretende Geschäftsführerin dürfte damit vom Tisch sein. Noch mehr: ich glaube Frau Ming wird es in Zukunft schwer haben, einen Job zu finden. Falls man sie überhaupt noch mal aus der Klapse entlässt“.
Meier und Uhlig lachten.
„Sie war ein ganz schön schwerer Brocken“, sagte Uhlig. „Ich habe zwischenzeitlich schon gedacht, ich schaffe es nicht. Aber das Aufputschmittel hat ja dann doch noch zu einem guten Ende für uns geführt“.
„Wo haben sie das Zeug eigentlich her gehabt?“, fragte Meier.
„Von einem Freund“, antwortete Uhlig. „Er ist Chemiker. War allerdings nicht ganz billig“.
„Geld spielt hierbei keine Rolle, Herr Uhlig“, sagte Meier. „Schreiben sie es mit auf die Rechnung!“.
Meier und Uhlig verabschiedeten sich, Max schlich zu Katharina zurück.
„Volltreffer“, sagte Max, als er bei ihr ankam. „Meier hat Uhlig beauftragt, Jessica Ming aus dem Rennen zu werfen“.
„Ich habe auch noch etwas interessantes entdeckt“, sagte Katharina. „Uhlig wurde vor einigen Jahren wegen Erpressung angeklagt und verurteilt. Er hatte seine Ermittlungsergebnisse genutzt, um sie gegen seine früheren Auftraggeber zu verwenden“.
„Das ist interessant“, kommentierte Max. „Vielleicht sollten wir uns mal bei Herrn Uhlig umsehen, wenn er weg ist“.
„Gute Idee“, gab Katharina zurück.
Etwa eine Stunde nach Meier verließ auch Uhlig das Haus in Richtung Stadt. Katharina und Max warteten noch eine Viertelstunde, dann kletterte Max durch das offene Fenster ins Haus. Katharina stand Schmiere. Nach wenigen Minuten kam Max zurück.
„Und?“, fragte Katharina gespannt.
Max wedelte mit einer Akte.
„Der Kerl hätte Beamter werden können“, sagte Max triumphierend. „Er hat alles aufgeschrieben. Absolut alles. Er hat Gesprächsnotizen von den Gesprächen mit Meier geschrieben, Tagebuch wann und wo er welche Aktionen gemacht hatte, Bilder, und so weiter. Wir sollten Philipp anrufen, und ihn fragen, wie wir die Polizei davon in Kenntnis setzen“.
Katharina und Max gingen zum Auto zurück, und setzten sich rein. Max wählte die Handynummer von Philipp Altenkirch, der sich auch prompt meldete.
„Max, hast du gute Neuigkeiten?“, fragte Altenkirch. „Ich war eben bei Jessica. Sie ist nur noch am Weinen. Man musste sie ruhig stellen“.
„Tut mir leid für sie“, antwortete Max. „Aber Hilfe ist Nahe. Sie ist nicht verrückt. Ihr Rivale Meier hat einen Mann engagiert, der sie Schritt für Schritt in den Wahnsinn getrieben hat. Wir haben Beweise gefunden. Der Mann hat alles dokumentiert. Ich habe die Akte des Grauens in meinen Händen. Wie sollen wir jetzt damit umgehen?“.
„Max, du weißt, dass ich widerrechtlich beschaffte Beweise nicht einsetzen kann“, sagte Altenkirch nachdenklich. „Ich kann auch nicht einfach zur Polizei gehen, die würden mir aufgrund der Vorfälle in der Vergangenheit nicht glauben. Du solltest aber auf jeden Fall die Beweise abfotografieren“.
„Vielleicht sollten wir Meier und Uhlig eine Falle stellen“, bemerkte Katharina.
„Und wie willst du das anstellen?“, fragte Altenkirch.
„Wir könnten zum Beispiel verbreiten“, antwortete Max, „dass Frau Ming morgen entlassen wird. Alles war ein Irrtum, sie wird am Mittwoch wieder zur Arbeit kommen. Wenn Meier das erfährt, wird er bestimmt Uhlig für eine weitere Aktion einschalten. Und dann werden wir ihn auf frischer Tat ertappen“.
„Und du meinst, das gelingt euch?“, fragte Altenkirch ungläubig.
„Wir können es zumindest probieren“, antwortete Katharina.
„Also gut“, sagte Altenkirch. „Die Information kann ich verbreiten. Ich werde die Sekretärin von Meier morgen früh anrufen, und sie informieren“.
„Rufe sie am besten gegen zehn Uhr morgen früh an“, gab Max zurück. Wir werden dann bei Uhlig auf der Lauer liegen. Ich könnte wetten, dass der sich um kurz nach zehn auf den Weg macht“.
„Gut dann machen wir das so“, sagte Altenkirch. „Ich drücke euch beiden die Daumen. Tschüss“.
„Tschüss Philipp“, sagten die beiden, und legten auf.
„Jetzt wird es aber Zeit für einen Boxenstopp“, sagte Katharina zu Max. „Meine Windel ist bis zur Belastungsgrenze voll“.
„Ganz deiner Meinung“, erwiderte Max. „Sieht bei mir nicht anders aus“.
Am nächsten Morgen standen die beiden um kurz vor zehn wieder hinter der kleinen Baumreihe bei Uhligs Haus, und beobachteten. Einige Minuten nach zehn klingelte Max’s Handy. Es war Philipp Altenkirch.
„Hallo Max“, sagte Altenkirch. „Ich habe die Sekretärin gerade informiert. Sie schien sehr überrascht. Sie wollte es gleich an Meier weitergeben“.
„Dann bin ich mal gespannt“, sagte Max, „wie lange es dauert, bis sich Uhlig auf den Weg macht“.
Lange mussten die beiden nicht warten. Viertel nach zehn verließ Uhlig das Haus, und fuhr mit seinem Auto in Richtung Stadt. Katharina und Max folgten ihm.
„Na wer sagt’s denn“, meinte Katharina nach gut einer halben Stunde Fahrt, „er biegt in Die Straße ein, in der Frau Ming wohnt“.
Kurz darauf hielt Uhlig vor dem Haus von Jessica Ming.
„Der ist sich seiner Sache aber sicher“, bemerkte Max. „Hält ungeniert vor dem Haus von Frau Ming, und bricht wahrscheinlich jetzt auch noch so da ein. Am helllichten Tag“.
Katharina und Max gingen zu dem Grundstück, und beobachteten Uhlig, von einer Hecke gedeckt.
„Er hat einen Schlüssel“, sagte Katharina überrascht.
„Ich würde sagen, wir verständigen jetzt die Polizei“, gab Max zurück.
Er nahm sein Handy, und wählte die Notrufnummer.
„Guten Tag mein Name ist Bader“, sagte er, als sich am anderen Ende eine Stimme meldete. „Ich möchte einen Einbruch melden. In der Lerchengasse vier, bei Frau Ming. Beeilen sie sich, der Täter ist noch im Haus“.
Max legte auf. Katharina und er warteten. Es dauerte keine fünf Minuten, dann kam die Polizei mit Blaulicht und Sirene vorgefahren. Die Beamten sprangen aus dem Auto, und rannten zum Haus. Zwei klingelten, zwei weitere rannten um das Haus. Uhlig öffnete seelenruhig die Tür.
„Was kann ich für sie tun?“, fragte er lässig.
„Uns wurde ein Einbruch in diesem Haus gemeldet“, sagte der Polizist.
„Hier, bei mir?“, fragte Uhlig, und tat überrascht. „Ich habe gar nichts mitbekommen“.
Da kam einer der Polizisten um die Ecke, der den Garten gesichert hatte.
„Uhlig, was machen sie denn hier“, rief er.
Uhlig schubste die Polizisten zur Seite, und rannte an ihnen vorbei. Da trat Max hinter der Hecke vor, und stellte Uhlig ein Bein. Der überschlug sich dreimal, und blieb schmerzverkrümmt liegen. Die Polizisten stürmten auf ihn zu, und legten ihm Handschellen an.
„Warum hatten sie es denn plötzlich so eilig, Herr Uhlig?“, fragte einer der Polizisten.
„Das kann ich ihnen beantworten“, sagte Max.
„Und wer sind sie?“, fragte der Polizist.
„Mein Name ist Dr. Max Bader“, antwortete Max, „ich bin Privatermittler, und arbeite für Frau Ming, die Besitzerin des Hauses. Herr Uhlig hat sich in letzter Zeit als Stalker betätigt, allerdings im Auftrag einer anderen Person. Aber das wird uns Herr Uhlig jetzt bestimmt alles erzählen“.
„Nicht hier“, sagte der Polizist. „Auf dem Revier“.
Uhlig wurde abgeführt, und Katharina und Max folgten in ihrem Wagen der Polizei. Auf dem Revier wurden alle in einen Verhörraum gebracht.
„Also Herr Uhlig“, sagte ein Kriminalbeamter, der dazu gekommen war. „Haben sie uns was zu sagen? Wir haben sie in einem fremden Haus erwischt, und das nicht zum ersten Mal. Vorstrafen haben sie ja schon genug!“.
„Okay, okay“, sagte Uhlig resigniert, „ich hatte den Auftrag, diese Ming fertig zu machen. Psychoterror. Ich habe sie über Wochen verfolgt, aber immer so, dass sie mich sah. Ich habe zu allen Tages- und Nachtzeiten bei ihr angerufen, ich bin in ihr Haus eingedrungen, habe Dinge verschwinden und wieder auftauchen lassen, und so weiter“.
„Dann war es doch keine Einbildung von Frau Ming“, sagte der Kriminalbeamte. „Und wer ist ihr Auftraggeber?“.
„Herr Meier von der König Maschinenbau GmbH“, erklärte Uhlig. „Er will den Posten, den die Ming bekommen soll. Er wollte zeigen, dass sie dem Druck nicht gewachsen ist“.
„Nun ja“, sagte der Kriminalbeamte. „Immerhin ist sie am Samstag vollkommen ausgerastet. Zwar unter den Umständen irgendwo verständlich, aber trotzdem“.
„Auch dafür hat Herr Uhlig eine Erklärung“, warf Max ein.
„Ja“, knurrte Uhlig. „Ich habe der Ming ein Mittel auf die Haut geschmiert. Ein hochkonzentriertes Aufputschmittel. In der Konzentration sorgt es für Halluzinationen und Aggressionen. Sie konnte die Kontrolle über sich gar nicht zurück gewinnen“.
„Uhlig, Uhlig“, sagte der Polizist. „Dieses Mal werden sie nicht so glimpflich davonkommen.  Ich vermute mal, sie werden für längere Zeit gesiebte Luft einatmen. Ich werde sofort den Staatsanwalt informieren, damit er Haftbefehl gegen sie erlässt, und vor allem, dass die arme Frau Ming aus ihrer misslichen Situation entlassen wird“.
„Wie lang kann das dauern?“, fragte Katharina.
„Naja, sie kennen doch die deutsche Bürokratie“, sagte der Polizist. „Ein bis zwei Tage können schon vergehen“.
„Nicht schön, aber absehbar“, sagte Katharina. „Max, ich schlage vor wir fahren in die Klinik, und überbringen Frau Ming die gute Nachricht!“.
„Gute Idee“, meinte Max. „Und was werden sie gegen diesen Meier unternehmen?“, fragte er den Kriminalbeamten.
„Was der Staatsanwalt daraus macht kann ich nicht sagen“, antwortete dieser. „Aber ich vermute, dass auch er in den Knast geht. Anstiftung zur schweren Körperverletzung, oder so etwas“.
„Schön zu hören“, sagte Max, und die beiden verabschiedeten sich.
Eine halbe Stunde später, führte Professor Tönnies Katharina und Max in die geschlossene Abteilung. Frau Ming stand auf dem Flur. Sie saß in einem Rollstuhl, an dem sie fixiert war. Ihre Hände waren an den Lehnen fixiert, ihre Füße an den Fußstützen. Zudem hatte sie noch einen Brust- und einen Beckengurt um. Sie trug ein recht kurzes T-Shirt, das ihre dicke Windel nicht verdeckte. Als sich Katharine und Max näherten, sahen sie, dass die Nässeindikatoren schon mehr als deutlich verfärbt waren. Frau Ming schaute traurig, aber als sie Katharina und Max sah, lächelte sie.
„Bringen sie gute Nachrichten mit?“, fragte sie voller Hoffnung.
Katharina strich ihr über die Schulter
„Klar, Frau Ming“, antwortete Katharina. „Der Täter ist überführt. Er hat alles initiiert, sie haben sich nichts eingebildet. Herr Meier war der Auftraggeber“.
„Ich habe es mir fast gedacht“, kommentierte Frau Ming. „Und was geschieht jetzt mit mir? Kann ich hier raus?“.
„Ja, Frau Ming“, sagte Max. „Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass es noch ein oder zwei Tage dauern kann. Deutsche Bürokratie. Aber ein Ende ist in Sicht“.
Frau Ming freute sich sichtlich.
„Wenn ich könnte, würde ich sie drücken“, sagte sie.
„Schon in Ordnung“, meinte Katharina. „Hauptsache wir konnten ihnen helfen“.
In dem Moment kam eine Pflegerin um die Ecke, griff wortlos nach Frau Mings nasser Windel, und drückte sie gegen ihren Körper. Frau Ming zuckte zusammen.
„Na, Frau Ming“, sagte die Schwester. „Da haben sie sich aber ordentlich nass gemacht. Man könnte glatt meinen, es macht ihnen Spaß, gewickelt zu werden. Ich bringe sie auf ihr Zimmer, und lege sie erstmal trocken“.
Frau Ming wurde rot, die Schwester nahm den Rollstuhl, in dem Frau Ming saß, und schob ihn in Richtung ihres Zimmers.
„Vielen Dank!“, rief Frau Ming. „Wenn ich raus bin, melde ich mich bei ihnen. Vielleicht haben sie Lust, mit mir Essen zu gehen?“.
„Gerne Frau Ming“, rief Katharina ihr hinterher.
Als die beiden alleine auf dem Flur standen, griff Max Katharina zwischen die Beine.
„Na, du brauchst wohl auch eine frische Windel, oder?“, fragte Max.
„Allerdings“, antwortete Katharina. „Nach der Aufregung brauch‘ ich jetzt auch `ne frische Windel“.
„Gut ich auch“, gab Max grinsend zurück.
Die beiden gingen nach draußen. Auf dem Parkplatz fragte Katharina:
„Du, meinst du nicht auch, dass so ein Segufix auch was für uns wäre?“
„Ich hab‘ doch schon längst einen bestellt“, sagte Max. „Wir müssen nur an der Packstation vorbei fahren, und ihn abholen“.
„Und dann?“, fragte Katharina grinsend.
„Dann wirst du mit einer dicken Windel um den Po festgeschnallt“, antwortete Max.
„Dann musst du mich aber füttern, und mir zu trinken geben“, merkte Katharina an.
„Das, und noch vieles mehr“, sagte Max, und stieg ins Auto.
Autor: Max (eingesandt via E-Mail)
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