Der Schlüssel zur Veränderung 3
Dieser Eintrag ist Teil 3 von 3 der Serie Der Schlüssel zur Veränderung
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Kapitel 3: Zwischen Tarnrucksack und Tarnhose
Mein Kopf fühlt sich erstaunlich ruhig an, dafür was gestern passiert ist. Trotzdem schmerzt mein Bauch beim Gedanken daran, noch einen weiteren Tag meinen Mitschülern ausgeliefert zu sein. Aber was kann ich schon tun? Meine Mama zwingt mich zur Schule zu gehen und bei ihr kann ich leider nicht krank machen. Die schleppt mich nur zum Arzt. Was sie bestimmt sowieso bald macht wegen meinem Bettnässen. Meine Kinderpsychologin Frau Dr. Mirner hat es empfohlen. Ich kann es immernoch nicht fassen, dass ich mich schon zwei Nächte in Folge im Schlaf eingepinkelt hab. Außerdem habe ich schon das Gefühl, dass man den Pipigeruch an mir riechen kann, doch das bilde ich mir wahrscheinlich nur ein. Aber hey; Zumindest ist heute Freitag.
—–
Heute scheint alles wie immer zu laufen in der Schule, immerhin habe ich heute Werken – Das einzige Fach in der Schule, was mir gefällt, weil ich da meiner Kreativität freien Lauf lassen kann und ich nicht komplett in meinen wilden Gedanken untergehe. Manche wundern sich, dass ich mich darauf konzentrieren kann, aber bei Sachen, die mir keinen so großen Spaß machen eben nicht, so als ob ich das mit Absicht mache. Aber ich kann wirklich nichts dafür. Mein Kopf ist einfach eine Mauer, die alles blockiert was mir keinen Spaß macht, selbst wenn ich es noch so gerne will.
Und dann kommt Kevin, ein Klassenkamerad und schlimmer Mobber von mir in der Pause direkt auf mich zu. Ich bete innerlich, dass er mich einfach in Ruhe lässt.
„Ey, du stinkst!“, spottet Kevin herablassend.
Das sitzt. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass er das sagt, – bei weitem nicht – aber vor allem heute brennt der Satz wie Zitronensaft in einer offenen Wunde.
„Lass mich in Ruhe!“, flehe ich schon fast mit zitternder Stimme.
Er lacht nur gehässig.
„Ich hab gestern Mika mit seiner Mami bei Elegante in der Innenstadt gesehen und der hat voll rumgeheult wie ein Baby“, prustet Carlo, der sich zu Kevin hinzugesellt hat.
VERDAMMT! SCHEIßE SCHEIßE SCHEIßE!
Meine Gedanken und mein Herz rasen wieder, während ich einfach nur versuche, den Blicken meiner Klassenkameraden auszuweichen.
Wie kann das nur sein? Wie kann ausgerechnet Carlo gestern Abend auch in der Eisdiele gesessen haben? FUCK!
Ich bin wieder kurz davor zu heulen. Ich weiß gar nicht, was ich jetzt sagen soll? Was sag ich jetzt nur?
„N-nein. D-das w-war ich n-n-nicht“, stottere ich schnell hervor, im hoffnungslosen Versuch meine Würde etwas zu wahren. Die Tränen wollen endlich aus meinen Augen hervortreten, aber ich kämpfe verzweifelt, dass ich ja nicht noch mehr die Kontrolle verliere.
Gehässiges Lachen erfüllt die Luft. Inzwischen scharen sich mehr und mehr Mitschüler hinzu und warten schadenfroh darauf, dass ich fertiggemacht werde.
„Lasst mich bitte in Ruhe!“, flehe ich diesmal schon fast. Ich würde gerne wegrennen, doch der Weg ist durch meine Klassenkameraden versperrt.
Plötzlich leitet die Glocke das Ende der Pause ein und erlöst mich zum Glück aus dieser scheinbar ausweglosen Situation, auch wenn es mir nur eine schwache Hilfe ist.
„Spast!“, höre ich ein paar Klassenkameraden murmeln, während sie sich von mir abwenden und in das Schulgebäude strömen.
Leider ist die Erlösung nur von kurzer dauer und ich kann mich nicht so sehr beruhigen, denn im Unterricht geht es weiter mit der Tortur.
„Mika“, höre ich einen Klassenkameraden von hinter mir krächzen wie ein Papagei. Kichern aus verschiedenen Richtungen folgt.
„Mika“, ertönt es aus einer anderen Richtung. Kichern.
„Mika“, jetzt noch ein Stück weiter hinten. Kichern.
Ich möchte einfach, dass das alles aufhört. Mein Kopf dröhnt, als würde ein Hammer gegen mein Gehirn donnern. Jedes Krächzen sticht in meinem Herzen. Meine Klassenlehrerin scheint natürlich nichts davon mitzubekommen, oder es ist ihr einfach egal.
Ich melde mich und nach einer gefühlten Ewigkeit werde ich aufgerufen.
„Ich hab Kopfschmerzen, Frau Dietrich.“, sage ich leise.
Sie schaut mich komisch an; „Ist es schlimm?“
Ich nicke; „Mhm, sehr“
Ein theatralisches Seufzen entfährt ihr; „Setzt dich fünf Minuten an die frische Luft und komm dann wieder“
„D-danke.“, stammle ich, nehme meine Mütze und mache mich hastig auf den Weg nach außen auf den Pausenhof. Frau Dietrich kann zwar ziemlich arschig sein, aber wenn es einem körperlich nicht gut geht, nimmt sie es zumindest soweit ernst.
Die frische Luft tut gut, während ich leise vor mich hin schluchze. Das Donnern in meinem Kopf wird langsam schwächer, dafür dröhnt es irgendwie nach. Wenn ich jetzt wieder in den Unterricht gehe, wird es wieder schlimm für mich enden heute. Ich muss nachhause. Ich kann nicht mehr.
Nach ein paar Minuten trotte ich zurück in die Klasse und werde von Frau Dietrich erwartungsvoll angesehen; „Geht es dir besser?“
Meine rechte Hand krallt sich verzweifelt am Tisch fest, während ich mit blassem Gesicht meinen Kopf schüttle und den Satz hervorpresse, den ich jetzt gefühlt einhundert Mal in meinem Kopf geprobt habe, bevor ich mich zwingen musste reinzugehen; „N-nein. N-nicht w-wirklich. Kann ich b-bitte heim gehn‘?“
Meine Klassenlehrerin mustert mich von Kopf bis Fuß und sieht meine blasse Haut, sowie meine verkrampfte rechte Hand.
„Geh ins Sekretäriat und lass dir einen Entschuldigungszettel mitgeben. Und lass ihn dann von deinen Eltern unterschreiben.“
„O-okay. D-danke!“, stammle ich erneut, bevor ich mein Schulzeug schnell zusammenpacke und meinen großen blauen Schulrucksack mit Tarnmuster schultere und ungeschickt die Befestigungsgurte schließe.
Beim Herausgehen murmle ich nur ein; „Tschüss“
„Gute Besserung!“, höre ich meine noch Klassenlehrerin rufen, aber die Tür knallt schon hinter mir zu.
Schnell gehe ich ins Sekretäriat, um mir den Entschuldigungszettel mitgeben zu lassen, bevor ich mich auf den Heimweg mache.
—-
„Was machst du denn schon so früh hier Schatzi?“
Mama schaut mich an und ich fühle Scham in mir aufsteigen. Warum hab ich es nicht einfach versucht auszuhalten? Warum bin ich nicht in der Schule geblieben?
„I-ich… Mir geht’s nicht so… Kopfschmerzen…“, presse ich hervor, während sie überrascht meine Stirn fühlt.
Reflexartig weiche ich ein Stück zurück.
„Ich leg mich ins Bett. Ich bin irgendwie Müde“
Als ich mich schon mit meinem Schulrucksack auf den Weg in mein Zimmer machen will, hält Mama mich sanft zurück.
„Ich möchte noch gern etwas mit dir besprechen. Geh ruhig schon mal in den Zimmer und ich komm gleich nach.“, aufmunternd lächelt sie mich an; „Ich hab dich lieb“
—-
„Schau mal Schatz, ich hab da etwas für dich. Ich weiß, das ist vielleicht etwas unangenehm, aber es ist glaube ich besser erstmal…“
Während ich auf meinem Bett sitze, hält mir Mama – auf den Holzhocker neben meinem Bett sitzend – eine längliche schwarze Plastikpackung mit einem blauen Streifen oben drauf hin. Ein älterer Junge ist darauf in einem Bett abgebildet. Ich weiß erstmal nicht, was das überhaupt sein soll. Huggies Drynites Pyjamapants 8-13 steht darauf und es dauert ein paar Sekunden, bis ich begreife, was ich da in den Händen halte.
„Ich will aber keine Windeln tragen, Mama!“, flüstere ich fast erstickt vor Scham, drücke ihr die Packung schnell zurück in die Hände und weiche ein Stück zurück.
„Das sind keine Windeln, Schatz. Das sind einfach Unterhosen für Kinder, die beim Schlafen… Probleme haben… ihr Bett trocken zu halten. Frau Dr. Mirner hat gemeint, dass…“
„Frau Mirner hat das vorgeschlagen?“, springe ich auf; „Die hat doch keine Ahnung!“
„Sie sagt, die Drynites fallen überhaupt nicht auf. Sie sehen aus wie ganz normale Unterhosen und du kannst sie auch ganz einfach hoch und runterziehen wie normale Unterhosen…“, versucht mich meine Mama zu beruhigen.
„Das sind Windeln, Mama! Ich will das nicht. Bitte!“, kann ich die Tränen nicht zurückhalten.
„Mika, das ist doch nur vorübergehend. Bis du…“, sie kommt näher, um mich zu umarmen.
„Bis ich nicht mehr wie ein Baby ins Bett pisse?!“
„Frau Dr. Mirner hat gesagt, dass das ganz vielen Jungs in deinem Alter so geht. Vor allem Jungs mit solchen… Problemen wie du…“
Ich reiße mich von ihr los, klettere auf die
Erhöhung meines Zimmers und ziehe die Strickleiter hoch.
„Ich bin einfach ein Psycho. Ein richtiger Pisser…“
„Mika, das ist nicht wahr, Schatz. Du bist wertvoll und einzigartig und irgendwann wird es besser. Auch das mit dem Bettnässen geht irgendwann wieder vorbei, bestimmt sogar schon bald. Aber es wäre doch angenehmer, wenn du in einem trockenem Bett aufwachst. Das ist doch viel besser.“, ruft mir meine Mama zu.
Ich sitze auf dem Boden, die Beine angezogen und weine leise, während ich langsam zur Ruhe komme. Vielleicht hat sie ja recht? Das wär schon besser… irgendwie.
„Schau mal Mika, wie wäre es, wenn du einfach mal eine ausprobierst? Und wenn es ganz blöd ist, dann musst du die auch nicht tragen.“
„Versprochen?“
„Versprochen, großer!“
„N-n-na g-gut“, murmle ich schließlich nach einigen Sekunden
Mama atmet hörbar erleichtert aus, während ich langsam die Leiter wieder herunterklettere. Sie öffnet in der Zwischenzeit die Drynites-Packung und zieht eine heraus.
„Die sieht doch ganz cool aus.“
Ich nehme die Drynite in die Hände. Sie fühlt sich irgendwie weich an und sieht auch nicht ganz so kindisch aus, wie ich es erwartet hab. Aber irgendwie hat sie trotzdem etwas Windel-artiges an sich. Ich schau meine Mama skeptisch an.
„Ich geh kurz raus und du ziehst sie an, okay?“, sagt sie sanft, streicht mir aufmunternd über die Wange und verlässt mein Zimmer.
Mit zittrigen Fingern klappe ich die Drynite auf und schaue sie mir nochmal genauer an. Die blau-grünen Muster sind wirklich nicht so schlimm. Und es sieht ja auch keiner.
Ich atme kurz ein und ziehe langsam mein rotes T-Shirt, meine braune Cargohose und schließlich meine blaue Weltraummuster-Unterhose aus. Meine Klassenkameraden tragen inzwischen Boxershorts, aber die find ich irgendwie blöd. Ironisch, dass ich jetzt sogar noch einen Schritt weiter zurückgehe und die kindische Unterhose gegen eine Bettnässerwindel tausche
Langsam ziehe ich die bunte Drynite meine Beine hoch und sie fühlt sich gar nicht so schlecht an. Tatsächlich fast wie eine Unterhose, nur etwas dicker und sie knistert etwas, wenn ich mich bewege. Ich befühle das äußere Vlies und laufe ein bisschen damit rum. Danach betrachte ich mich im Spiegel. Auf den ersten Blick sieht die Drynite sogar aus wie eine Unterhose. Aber halt nur ganz kurz auf den ersten Blick. Danach wirkt sie trotzdem gar nicht so fehl am Platz an mir.
Was denke ich da bloß? Es ist eine Bettnässerwindel, also sollte ich so nicht denken.
Es klopft an der Tür und Mama steckt ihren Kopf herein.
„Und, wie fühlt sie sich an?“
„Ganz gut. Schon bequem… irgendwie.“, ich schau sie unsicher an.
Ihre Augen leuchten, als sie mir die Drynite noch etwas zurechtzupft.
„Das ist super, mein Schatz. Also bist du einverstanden, sie probehalber zu tragen?“
„Ja, okay. Meinetwegen.“; ich versuche ein Lächeln abzuringen, aber es klappt nicht so richtig.
Als ich mich ins Bett lege, deckt Mama mich behutsam zu und schließt die Vorhänge. Dann drückt sie mir einen sanften Kuss auf die Wange.
„Schlaf gut, mein Großer.“
„Danke Mami.“, sage ich und drifte kurz darauf in einen tiefen, angenehmen Schlaf herab.
———
Hi! Hier ist nach langem Warten das nächste Kapitel. Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat.
Wie gefällt euch die Geschichte bisher und besonders dieses Kapitel? Wie geht es wohl weiter?
Ich freue mich sehr über eure Meinungen und Vorschläge!
Gruß, DiaperO_
Autor: DiaperO | Eingesandt via Mail
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Dem jungen Mann fehlt es an gesundem Selbstvertrauen, wenn sogar die Ärztin nicht auf seiner Seite steht, woher soll der Junge dann Stärke zeigen, auch die Lehrer tun es so ab als wäre er nicht normal, so treibt man einen Mensch langsam in die Richtung dich was anzutun. Vielleicht solltet sein Freund mal langsam Aktiv werden und seinen Klassenkameraden mal zeigen was Freunde für einen tun können.
Ich finde die Geschichte sehr gut, schreibt Bitte weiter so.
Vielen Dank!
Im Grunde find ich die Geschichte recht ansehnlich. Nur nach so langer Zeit hätte ein kurzes Updat einem das weiterlesen etwas etleichtert. Zum Beispiel um wehn es geht und so. Bin auf den nächsten Teil gespannt. Die Absätze find ich ganz gut, erleichtert das lesen ein bissel.
Vielen Dank!
Das mit den Absätzen war witzigerweise erst eine Idee von mir ganz zum Schluss, aber das werde ich jetzt immer machen.
Das mit dem Rückblick werde ich versuchen das nächste Mal einzubauen. Ich bin es halt gewohnt bei Fortsetzungen erstmal wieder zumindest einen Teil der vorherigen Geschichte nochmal zu lesen, um wieder reinzukommen. Ich hab nicht dran gedacht, dass andere es anders machen. Aber danke für den Tipp und ich werde mein bestes geben!
LG
Also ich finde die Geschichte bisher sehr gut.
Der innere Kampf und die Emotionen von Mika kommen ganz gut rüber.
Auch die Mutter die eigentlich nur sein Beste möchte.