Freundschaft weiß nicht alles (2)

Windelgeschichten.org präsentiert: Freundschaft weiß nicht alles (2) – 1. Teil

Ich war wirklich gespannt, was sie zu erzählen hatte. Julia fand irgendwie keinen Anfang, also fragte ich sie: “Warum trägst du eine Windel ?“
Das hatte ihr wohl etwas Erleichterung verschafft, und sie begann zu erzählen.

 

“Na ja es ist so, vor einiger Zeit beim Shoppen bin ich wie meist in den Drogeriemarkt gegangen, um Schminke zu kaufen. Und durch Langeweile bin ich mal alle Abteilungen durchgegangen. Zwangsläufig kam ich auch an den Windeln vorbei.“

Einen Moment pausierte sie, in mir brodelte eine Neugier, die aus Interesse bestand, aber auch leicht schmunzeln musste.

Sie fuhr fort: “Gut, jedenfalls schlenderte ich durch den Gang und mir fielen zum ersten mal die großen Windeln auf. Meinen Blick konnte ich kaum abwenden, ich kam mir selber dabei komisch vor. Der Gedanke lies mich nicht mehr los, ständig musste ich an diese Windeln denken.“

Obwohl sie es mir erzählte, schien sie immer noch ziemlich beschämt. Sie hatte wohl Angst, dass ich sie für komplett verrückt erklären würde. Ich fragte sie: “Du hast dann direkt welche gekauft?“

Sie verneinte: “ Mit dem Gedanken habe ich 3 oder 4 Wochen erst nur gespielt. Ich stellte es mir nicht gerade schön vor, eine Windel zu tragen. Bis ich schließlich eines Tages, wie so oft am Nachmittag alleine zu Hause war und mir meinen ganzen Mut oder meine Verrücktheit zusammennahm und mir welche besorgte.“

Das erklärte also schon mal die Windel, Julia musste einmal aus dem Hals heraus lachen. Ich wunderte mich, was das sollte. Aber sie hatte schon eine Erklärung parat.

 

“Weißt du, was komisch war? Ich glaubte wirklich, nachdem ich die Packung Windeln im Einkaufskorb hatte, jeder Blick der Leute würde mich Mustern. Aber das stimmte gar nicht, die Leute sind mit sich selber zu beschäftigt. Allerdings hatte ich Angst, ich würde jemanden sehen der mich kennt.“

Ich dachte nach, wie ich mich selber in dieser Situation verhalten hätte. Aber oh je, oh je das wäre mächtig in die Hose gegangen. Aber dieser Gedanke war die Perfekte Überleitung zu meiner nächsten Frage: “ Wie hast du es den geschafft, dass die Windel ausläuft? Da musst du die doch mehr als einmal benutzt haben.“

Sie nickte und sagte: “ Ist auch kein Wunder, ich hatte die Windel schon seit gestern Abend an. Ich hatte sie schon vorm Schlafen angezogen und da musste ich schon ganz dringend. Da hab ich die Windel natürlich ihrem Zweck entsprechend verwendet.“

Sie holte einmal Tief Luft und sagte: “ Da hatte ich aber einen See ausgepinkelt, glaub es mir.“

Mir stellte sich nur noch eine Frage: “ Warum bist du dann mit einer Windel, vor allem schon einer benutzen in die Schule gegangen?“

 

 

Lange braucht Julia nicht zu überlegen: “Niemand sollte wissen, dass ich eine Windel trage. Weder du noch meine Eltern. Meine Mutter war heute länger da als sonst, so konnte ich mich von meiner Windel nicht entledigen. So musste ich sie wohl oder übel anbehalten. Im laufe des Schultags musste ich dann wieder schließlich auf die Toilette, da ich mich nicht traute, ging es in die Windel.“

Ohne groß nachzudenken, sprudelte es aus mir heraus: “Warum bist du den nicht auf Toilette gegangen und da hättest du doch die Windel im Müll entsorgen können?“

Sie blickte mich mit einem Gesichtsausdruck an, der sagen wollte: “Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“

Sie beruhigte sich etwas, sie war schon ein wenig aufgebracht gewesen über die Frage, jedenfalls innerlich. “Okay, gut du hast ja irgendwie recht. Aber wenn mich jemand gesehen hätte, ich wäre das Gespött der Schule geworden. Baby und Hosenpisserin wären noch die nettesten Begriffe gewesen.“

Daraufhin scherzte ich: “Dabei hast du doch nur in die Windel gemacht.“

Sie war nicht böse, Julia sprang gleich auf den Zug auf: “Ja, sogar mehrmals in die selbe Windel.“ Sie hatte es versucht, den ganzen Schultag auszuhalten. Da sie wusste, dass beim nächsten mal etwas auslaufen würde. Nach dem Klingeln war sie hinausgestürmt und bis dahin konnte es Julia so gerade noch halten.“

Wie sich herausstellte, ging sie einen längeren Umweg zur Haltestelle. In dem Zeitraum ist es dann also passiert, dass was sie zu verhindern versuchte.

Über eine Stunde waren wir gegangen, ab hier trennten sich unsere Wege. Bevor ich mich verabschieden konnte, nahm sie eine meiner Hände in ihre beiden und sagte: “Bitte, bitte sag es wirklich keinem.“ Ihr Blick war wirklich ängstlich und traurig zu gleich. Die Lockerheit von eben war plötzlich verschwunden.

In meinem überzeugendsten Ton sagte ich: “Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Das bleibt geheim, unter uns.“

Julia strahlte und lud mich wie so oft samstags zu sich ein. Ihre Eltern waren an diesem Wochenende wieder geschäftlich unterwegs und würden erst am Sonntagabend zurückkehren.

Wir verabschiedeten uns und winkten uns noch einmal aus der Ferne zu. Ihr Fleck im Schritt war in der Zwischenzeit fast gänzlich getrocknet.

Das war jetzt also geklärt, dennoch dachte ich ständig darüber nach. Aber wirklich, die Windel konnte man unter der Hose nicht erkennen. Ob sie nun Windeln trug und diese auch benutzte, war mir egal. Julia würde meine beste Freundin bleiben. Jetzt allerdings freute ich mich auf das bevorstehende Wochenende…

Autor: Anonym (eingesandt via E-Mail)
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